Simon Dückerts Kapitel  3 seines im „Handbuch der Kompetenzentwicklung im Netz“ erschienenen Beitrags „Das Netz als Lern-Infrastruktur“ war für mich interessant zu lesen, weil mir klar wurde, dass  ich mit Lern-Werkzeugen die wenigsten der u.a. Tools assoziierte. Doch in den neuen Lern- und Arbeitswelten funktioniert  Lernen anders – Stichwort: „selbstgesteuert“, „kollaborativ“ … und „kooperativ“ und „kontinuierlich“. Und da werden Tools , die man bisher verstärkt aus der Arbeitswelt kannte, immer mehr zu Lernwerkzeugen. Slack scheint hier einen besonderen Stellwert einzunehmen … nicht nur, weil es sich dabei um ein neues Tool handelt, sondern auch, weil es als Schnittstelle zu sämtlichen Lernwerkzeugen fungieren könnte. Kann mit Slack also bald ein Wandel vom Messenger bzw. Social Tool zu einer echten, individuell konfigurierbaren Lernumgebung gelingen? Gute Frage … über die sich schon so manche E-Learning-Autoren Gedanken machen.


Dückert, 2017, S. 85-86

Jane Hart, Expertin für das Lernen am Arbeitsplatz („Worplace Learning“), ermittelt in einer Umfrage jedes Jahr die „Top 100 Tools für Learning“ (Hart 2015). Sie definiert Lern-Werkzeuge dabei als „any software, online tool or service that you use either for personal or professional learning, for teaching or training, or for creating e-learning„.

In der Umfrage aus dem Jahr 2015 ergab sich diese Top-10-Liste (N > 2000):
  1. Twitter: Bevorzugter Ort für professionelles Networking, für News und Updates, als Kommunikationskanal für Konferenzen und als Echzeit-Chat durch die Verwendung von Hashtags (Kategorien).
  2.  YouTube: Video-Portal als Plattform für multimediale Lern-Ressourcen und um eigene Videoinhalte zu teilen.
  3. Google Suche: In der Umfrage oft beschrieben als „einziges e-Learning-Tool, das man wirklich braucht“.
  4. Google Docs/Drive: Plattform zum Erstellen von persönlichen Dokumenten (z. B. Präsentationen, Tabellen) sowie zum Teilen und gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten.
  5. PowerPoint: Wichtigstes Werkzeug, um persönliche Präsentationen und linearen e-Learning-Inhalt zu erstellen.
  6. Dropbox: Plattform zum privaten und öffentlichen Teilen von Dateien, sowohl in Unternehmen als auch in der Bildung.
  7. Facebook: Obwohl meist für das persönliche (private) Networking genutzt, ist Facebook ein nützliches Werkzeug, um Lerngruppen und Kursseiten zu unterstützen.
  8. WordPress: Sowohl für Einzelpersonen als auch für Organisationen nützliches Werkzeug, um einen Blog zu betreiben, aber auch um funktionsreiche Webseiten darzustellen.
  9. Skype: Werkzeug, um Unterhaltungen bidirektional oder in Gruppen zu führen. Hält über Skype for Business (ehem. Lync) derzeit in Breite Einzug in Unternehmen.
  10. Evernote: Werkzeug für persönliche Notizen und sog. Web Clippings (Auszüge von Webseiten). Die Notizbücher können über die Cloud synchronisiert und dadurch auf verschiedenen Engeräten verwendet werden.

Auf den Plätzen 11 bis 30 folgen Prezi, Wikipedia, Pinterest, LinkedIn, Moodle, iPad&Apps, Kahoot, Blogger, PowToon, Slideshare, Screencast-O-Matic, Yammer, Padlet und Microsoft Word.

Bemerkenswert ist, dass die Liste der Top 30 mit Moodle und Kahoot nur zwei Werkzeuge enthält, die den klassichen Lern-Werkzeugen zuzurechen sind. Alle anderen gehören eher zum Bereich der Netz- oder Webdienste. Welche konkreten Werkzeuge Lernende einsetzen können/sollen/dürfen, hängt sehr stark vom jeweiligen Kontext ab. So sind beispielsweise Datei-Dienste wie Google Drive in vielen Unternehmen aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.  Um für Lernende trotzdem eine konkrete Handlungsempfehlung geben zu können, werden die Tools aus der Umfrage von Hart in eine allgemeine Kategorisierung von Lerntools im Netz überführt, die dann zur Auswahl herangezogen werden kann. Dazu wird die Darstellung des Social Media Prism von ethority mit Plattformen und Tools im Web herangezogen (Ethority 2015), die die wichtigsten 261 Plattformen im Netz in insgesamt 25 Toolklassen unterteilt. Dabei spielen natürlich nicht alle Tools für die Gestaltung der eigenen Lerninfrastruktur eine Rolle … (Dückert, 2017, S. 86)


Im gleichen Beiträg werden noch folgende Tool-Kategorien aufgelistet und genauer beschrieben, die aus dem bereits erwähnten Social-Media-Prisma extrahiert wurden. Ich werde hier zwar alle Tool-Kategorien vollständig anführen, aber nur eine auszugsweise  beschreiben (siehe Fettung und *).

  • Soziale Netzwerke,
  • Online-Foren,
  • Weblogs,
  • Wikis,
  • Instant Messaging*
  • Audio- und Videoplattformen,
  • Social-Bookmarks,
  • Suche,
  • Ökoystemdienste.

INSTANT- MESSAGING-DIENSTE (IM)

Instant Messaging-Dienste (IM) unterstützen den Versand von Sofortnachrichten. Ähnlich wie bei Email können sich Nutzer Nachrichten unter Angabe ihrer ID (z B. Mobiltelefonnummer bei Skype, Threema ID bei Threema) zusenden. Bei den meisten IM ist die Bildung von Gruppen möglich. Darüber hinaus bieten viele Messanger Fuktionen wie Emojis, Voice-over-IB (Audio-Telefonie), Video-Telefonie, Versand von dateien, etc. an. Die Instant Message ist aber ähnlicher der SMS eher eine flüchtiges Medium. Mit Diensten wie beispielsweise Slack verschwimmen aktuell die Grenzen zwischen IM und sozialem Netzwerk (Dückert, 2017, S. 87).

QUELLE:

Dückert, S. (2017). Das Netz als Lern-Infrastruktur. In Erpenbeck, John & Sauter, Werner (Hrsg.), Handbuch Kompetenzentwicklung im Netz. Bausteine einer neuen Lernwelt (S. 81-92). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Mehr von Jane Hart:

What does the 6th annual Learning in the Workplace Survey say about the state – as well as the future – of L&D?