Was mir beim Lesen  des Beitrages von Simon Dückert (2017) besonders gut gefallen hat, waren seine zehn Empfehlungen für die Gestaltung der persönlichen Lern-Infrastruktur. Ich habe mir vorgenommen, einige Punkte auch für meine Lernschritte verstärkt zu berücksichtigen. Teilweise passiert mein Lernen im Rahmen der DUK ja bereits genau in dieser Form. Unten angeführt findet sich das gesamte Kapitel 4 zum „Weiterdenken“ … für alle jene, die sich Gedanken darüber machen möchten, wie diese Empfehlungen in bereits bestehende oder auch in neu entstehende Lernumgebungen integriert werden könnten.


Die Vielzahl der bekannten und teils vielleicht auch noch unbekannten Lern-Werkzeuge führt beim Einstieg in die Gestaltung der eigenen Lerninfrastruktur oft zu Frustration und Unübersichtlichkeit. Denn so individuell wie Ablagestrukturen in Dateiordnern oder den persönlichen Aufzeichnungen zu einem Kurs sind, so individuell müssen auch digitale Lernumgebungen sein, um die Lernenden bestmöglich zu unterstüzten. Den „One-Size-Fits-All-Ansatz“ gibt es nicht, wie Eric Tsui in seiner Darstellung vernetzter „Personal Learning Environments“ (PLE) zeigt. Die eigene Lerninfrastruktur muss einmalig eingerichtet und dann kontinuierlich angepasst und verbessert werden. Die folgenden zehn Empfehlungen helfen dabei, sich eine persönliche Lerninfrastruktur erstmalig anzulegen bzw. bestehende Ansätze systematisch zu hinterfragen (Dückert, 2017, S. 89-90):

Zehn Empfehlungen für eine persönliche Lerninfrastruktur

(Dückert, 2017, S. 90-92)

  1. Schriftlichkeitsprinzip: Dokumentieren Sie das Konzept Ihrer Lerninfrastruktur, um nicht den Überblick zu verlieren und gleichzeitig eine Systematik für die regelmäßige Reflexion Ihrer Infrastruktur zu haben.
  2.  Memex: Der „memory extender“ (memex) ist eine Vision von Vannevar Bush aus dem Jahr 1945 (Bush 1945). Der Memex ist möglichst „menschengerechtes, einfach bedienbares Wissensfindungs- und Verwertungsystem“.  Nach Bush sollte dieses System nach Möglichkeit das assoziative und vernetzte Denken des menschlichen Gehirns nachbilden.  Verwenden Sie daher ein persönliches Wiki oder Wiki-ähnliche Plattformen wie Evernote bzw. OneNote (auch Scratchpad genannt) als Ihren persönlichen Memex. Sorgen Sie dafür, dass Sie auf Ihren Memex von allen Ihren Endgeräten (Computer, Tablet, Smartphone) zugreifen können. Erste Aufgabe für den Memex ist, die Dokumentation Ihrer Lerninfrastruktur aus dem Punk 1 aufzunehmen.
  3. Lernziele: Mit der Verschiebung des Schwerpunkts vom formellen (fremdgesteuerten) zum informellen (selbstgesteuerten) Lernen bedeutet, dass Sie mehr Aufwand für die strategische Planung Ihres Lernens einplanen müssen. Werden Sie sich über Ihre persönlichen Ziele bewusst (klassisches Selbstmanagement) und überlegen Sie, wo Sie zur Erreichung dieser Ziele noch Wissensdefizite haben. Formulieren Sie daraus klare Lernziele und dokumentieren Sie diese in Ihrem Memex. Überlegen Sie sich je Lernziel, mit welchem Lernansatz des o. g. 70/20/10-Modells das Lernziel am besten zu erreichen ist. (Beispiel: wenn Sie erlernen wollen, kurze Lernvideos zu erstellen, können Sie ein Buch dazu lesen, mit erfahrenen Videofilmern sprechen oder es per Learning-by-Doing selber ausprobieren). Formulieren Sie aus diesen Überlegungen konkrete Lernmaßnahmen bzw. kleine Lernprodukte.
  4. Wissenslandkarte: Legen Sie sich eine Wissenslandkarte in Form einer visuellen Übersicht Ihrer wichtigsten Aufgaben und Wissensgebiete (Themen) an. Die Wissenslandkarte kann Teil Ihres Memex sein oder separat und grafisch z. B. in Form einer Mind Map erstellt und gepflegt werden.
  5. Dokumenten-Bibliothek: Legen Sie sich auf Ihrem Rechner, in Ihrem Netzwerk oder in der Cloud eine zentrale Dokumenten-Bibliothek. Verwenden Sie diese Dokumeten-Bibliothek als Ihre persönliche „Wissenskartei“. Übernehmen Sie die Rolle des Bibliothekars Ihrer Wissenskartei und pflegen Sie diese regelmäßig. Legen Sie beispielsweise für alle Aufgaben und Wissensgebiete Ihrer Wissenslandkarte Ordner an und sammeln Sie darin Referenzmaterial (z. B. Vorlagen, Chechlisten, Studien, Aufsätze). Gestalten Sie die Dokumentenbibliothek so, dass es persönliche Bereiche (nur für Sie), aber auch mit anderen geteilte und öffentliche Bereiche geben kann (Stichwort: Berechtigungen, Freigaben).
  6. Persönliches Lern-Netzwerk: Überlegen Sie zu den Themen Ihrer Wissenslandkarte, von welchen Menschen Sie diesbezüglich viel lernen können. Vernetzen sie sich mit diesen Personen in geeigneten Sozialen Netzwerken. Pflegen sie dieses Netzwerk, indem Sie nicht nur Informationen konsumieren, sondern auch aktiv mit Ihrem Wissen beitragen. Praktizieren Sie beispielsweise „Working Out Loud“ (WOL) für systematsiche Pflege Ihres Wissensnetzwerks. Gelerntes in Form eines Weblogs oder in Form eines kurzen Videobeitrages nochmal zusammenzufassen, ist nicht nur ein Beitrag für die Allgemeinheit, sondern unterstützt den sehr effizienten Lern-Ansatz „Lernen durch Lehren“.
  7. Persönliche Lern-Tageszeitung: Machen Sie sich die Lektüre Ihrer persönlichen Lern-Tageszeitung zur Gewohnheit. Reservieren Sie sich hierfür etwas Zeit, in der Sie z. B. beim Kaffee Ihre Neuigkeiten in den sozialen Netzwerken überfliegen (z B. Twitter-Timeline), Neuigkeiten in News und Blogs lesen (z. B. im Feedrader) und die neuesten Lern-Medien in Audio- und Videoplattformen prüfen (z. B. abonnierte Kanäle auf YouTube). Wichtig ist hierbei, dass Sie sich einen strikten Zeitrahmen vorgeben (z B. Timeboxing von 15 Minuten pro Tag), da sonst die Gefahr besteht, sich in der sprichwörtlichen Informationsflut zu verlieren. Benötigt ein Element der Lern-Tageszeitung mehr Aufmerksamkeit, sollte die Aufnahme für einen späteren Zeitpunkt  eingeplant werden.
  8. Finden statt Suchen: Durchbrechen Sie den Reflex, für jede Suchanfrage einfache Schlagwortsuchen bei Google zu verwenden. Erarbeiten Sie sich einen Katalog weiterer Suchoptionen, dazu können z. B. Spezialdienste wie Google Scholar, Slideshare, YouTube gehören. Verwenden Sie persönliche angepasste Suchmaschinen, um den Umfang von Trefferlisten zu schärfen (z. B. Verwendung einer Google Custom Search Engine, um ausschließlich die Webseiten von Webbewerbern oder allen Universitäten in Deutschland zu durchsuchen). Schaffen sie sich außerdem durch persönliche Suchmaschinen (z B. Docfetcher) die Möglichkeit, Ihre persönliche Dokumentbibliothek effizient zu durchsuchen.
  9. Reflexion als Routine: Die 70 Prozent des 70/20/10-Modells ist das Lernen aus anspruchsvollen Tätigkeiten. Machen Sie es sich daher zur Gewohnheit, nach wissensintensiven Tätigkeiten etwas Zeit zur Reflexion zu verwerden. Das kann z. B. in Form eines kleinen After Action Reviews geschrieben geschehen, bei dem nach Abschluss einer Aufgabe vier Fragen beantwortet werden:  Was war der Plan? Was ist passiert? Warum gab es eine Abweichung? Was lerne ich/wir daraus? Halten Sie die Lernergebnisse in Ihrem Memex oder an anderer geeigneter Stelle fest (z. B. Checkliste in Dokument-Bibliothek) und teilen Sie Ihre Erfahrungen idealerweise mit Ihrem Netzwerk.
  10. Lernzeit einplanen: Oft scheitert das systematische Lernen in der Praxis an der fehlenden Zeit. Es ist kein Zufall, dass innovative Unternehmen wie Google oder 3M ihren Mitarbeitern zwishen 15-20 Prozent ihrer Zeit für Lernprozesse gewähren. Planen Sie sich daher Ihre Lernzeiten systematisch ein und achten Sie darauf, dass die eingeplanten Zeiten nicht vom Tagesgeschäft „aufgesogen“ werden.

QUELLE:

Dückert, S. (2017). Das Netz als Lern-Infrastruktur. In Erpenbeck, John & Sauter, Werner (Hrsg.), Handbuch Kompetenzentwicklung im Netz. Bausteine einer neuen Lernwelt (S. 81-92). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Mehr

5 Methoden, die Wissensarbeiter*innen kennen sollten!