Bin ich? Oder werde ich? Und falls ja: Was genau werde ich jemals werden? Von wem werde ich „geworden“ und „gebildet“? Bilde ICH mich weiter? Oder werde ich durch ANDERE gebildet und geformt? Bin ich davor „Nichts“, weil ich erst durch „Bildung“ entstehe? Und was ist, wenn ich  mich ständig weiterbilde? Werde ich dann auch niemals zu mir „Selbst“ gelangen? 

„Werde gebildet“ – eine „Erzählung“ im Passiv!

Lasse ich das „Passiv“ in meiner „Geschichte“ zu und bin ich somit beteiligt an meiner eigenen Unterwerfung – unter dem Vorwand der „Bildung“, „Formung“ und  „Befreiung“ des Selbst“? Wird man durch „Modellierungstechniken“ und „Bildungsformen“ tatsächlich frei? Wie mag sich ein Sandkorn in einer kleinen Kuchenform fühlen? Ein kleines Körnchen, das noch alles werden hätte können, wenn man es einfach treiben lassen hätte, um schlussendlich Teil eines großen Ganzen werden zu dürfen: zu einer Düne … einem Strand … einer Wüste.

Kontrolle, Disziplin und Funktionalität im Dienste der Befreiung des Selbst?

Lasse ich mir von „Bildungsträgern“ und externen Kräften ein Selbstüberwachungskonzept auferlegen? Um endlich zum ICH zu werden? Oder entferne ich mich genau dadurch zunehmend von mir Selbst, weil mich das „Außen“ innerlich nach und nach vereinnahmt, bis von MIR nichts mehr übrigbleibt? Nur mehr das IR … in das sich zudem noch ein H zwängt, bis es zum IHR wird? Wer sagt mir überhaupt, wer ICH bin? Eine Theorie über das Selbst, das von einem „unfertigen“ SELBST geschrieben wurde? Sollte ich nicht lieber selbst „meine Bildungsform“ bestimmen? Und meine eigene „Theorie“ (er-)finden? Wie ein Autobiograf, der sich seine Lebensgeschichte selbst schreibt?

Was heißt das nun für M(ICH) – für mein Ich?

Die „Bildung meiner Selbst“ passiert ständig und pausenlos. Aber diese Bildung sollte nicht „zwangsläufig“ durch außen auferlegte TECHNIKEN erfolgen, die durch ihren starren Rahmen mein „Ich“ eingrenzen, sondern vielmehr ist mein Story-Writer in mir gefordert, der mir die Freiheit gibt, mich SELBST nach meinem „BILD“ der Welt – und im Zusammenspiel mit dieser – zu „BILDEN“ … zu (re-)konstruieren und immer wieder neu zu definieren. Dafür muss ich aber kritisch und aufmerksam durch eben diese Welt gehen, um sie von möglichst vielen Seiten kennenlernen zu dürfen … mit dem Bewusstsein, dass es viele Wahrheiten und Wirklichkeiten gibt, die sich nicht immer in Theorien zwängen oder durch (Bildungs-)Techniken in „Form“ bringen lassen.